AZ, 27. Dezember 2012 - Projekt „Athene“: Hilfe zum Lernen ohne erhobenen Zeigefinger

„Meistens gehe ich lächelnd nach Hause“, freut sich Esther von den Driesch, wenn sie von ihrer Arbeit in der Förderschule Beginenstraße spricht. Dorthin übt sie jede Woche Lesen mit Kindern zwischen sechs und 13 Jahren, die in diesem Gebiet Förderbedarf haben. Sie und drei weitere ehrenamtliche Lesehelfer betreuen rund 24 Kinder der kleinen Schule. Alle vier sind Teil des Projektes „Athene“, das vor zwei Jahren aus einer studentischen Initiative für individuelle Förderung von Schülern entstanden ist.

Rund 30 Mitglieder hat Athene – hauptsächlich Schüler und Studenten, erklärt Vorsitzende Stefanie Stemmer. Derzeit sind sie am Couven-Gymnasium, an der Hauptschule Aretzsstraße und an der Förderschule Beginenstraße aktiv: Je nach Bedarf geben die jungen Leute entweder regelmäßige Nachhilfe in Kleingruppen oder fördern, wie in der Beginenstraße, die Lesekompetenz.

Beim Lernen käme es vor allem auf das Verhältnis zwischen Lehrendem und Schüler an, so stellvertretender Schulleiter Michael Lux. Gerade deshalb sei das Projekt Athene auch etwas Besonderes für die Schüler, ergänzt Lena Daniel, stellvertretende Koordinatorin der offenen Ganztagsschule: Denn die Athene-Trainer setzen sich gemeinsam mit den Schülern häufig auf ein gemütliches Sofa, und üben und lernen in entspannter Atmosphäre – ohne den bekannten „erhobenen Zeigefinger“. Das Ganze sei so viel lockerer, weiß die Sozialpädagogin.

Zehn Minuten nimmt sich Esther Zeit für jedes Kind: Dann lesen sie gemeinsam und üben das Vorlesen. So versucht sie, die Lust und den Spaß an der geheimen Welt der Buchstaben in den Schülern zu wecken.

Auch der SPD-Ortsverein Kornelimünster sei von Anfang an begeistert gewesen von dem Projekt, so dessen Vorsitzende Eleonore Keller. Denn ihnen sei der Bildungsaspekt besonders wichtig, erklärt Albert Schmidt weiter. Deshalb hat der Ortsverein eine große Bücherkiste gespendet: Von „Star Wars“ oder dem „Guinessbuch der Rekorde“ bis zum beliebten „Greg‘s Tagebuch“ bietet es einen kleinen Schatz von Geschichten und Wissen, die die Kinder von nun an gemeinsam mit den Athene-Mitarbeitern entdecken können. Bewusst hätten sie sich dabei für Bücher entschieden, die nicht Teil des Lehrplans sind, um damit das Lesen auch zu einer unterhaltsamen Freizeitbeschäftigung für die Kinder werden zu lassen.

Die Athene-Helfer freuten sich über diese Spende, die ihre Arbeit noch bereichere, so Stefanie Stemmer. Derzeit könnten sie mit zwölf aktiven Freiwilligen, die in die Schulen gehen, kaum die Anfragen und den Bedarf an Förderern abdecken. Deshalb seien sie über weitere engagierte Mitarbeiter, ob Schüler, Studenten oder sonstig Interessierte sehr froh.

Froh ist auch Lux über die Unterstützung von Athene: Schließlich wachse die Zahl an Schülern, deren Lerntempo im Lesen nicht mit dem der anderen mithalten kann, spürbar. Der normale Schulalltag biete dann nicht die Möglichkeit, für individuelle Förderung. Daher seien selbst zehn Minuten mit dem Athene Projekt für die Schüler eine „super Sache“. Doch dass dieses Lesen-Lehren nicht immer einfach ist, dessen ist er sich vollkommen bewusst: „Das kann kein Computer, das können nur warmherzige Menschen“.

( Aachener Zeitung, 27.12.2012)